Das Internet ist tot

Viele Gesprä­che, Vorträge beginne ich zur Zeit mit dem Satz „Das Inter­net ist tot.“  Dies ist natür­lich eine bewusste Provo­ka­tion. Das Inter­net als tech­ni­sche Platt­form ist natür­lich nicht tot, aber der Gedanke das Inter­net sei ein eige­nes Medium. Diesen Gedan­ken will ich mit diesem State­ment aus unse­ren Köpfen löschen. Ich glaube es ist einfach Zeit, umzu­den­ken und eine digi­tale Verbrei­tungs­form von Inhal­ten aus seinem Elfen­bein­turm und Spezia­lis­ten­tum heraus­zu­lö­sen.

Wir müssen endlich akzep­tie­ren, dass wir in einer Welt leben, in der einfach alles digi­ta­li­siert wird. Auch wenn wir über die Medi­en­gat­tung Fern­se­hen reden und uns vom analo­gen Fern­seh­si­gnal, vom analo­gen Satel­li­ten­si­gnal, zur digi­ta­len Terre­strik und zum Digi­tal­sa­tel­lit entwi­ckelt haben , so ist es nur mehr eine Frage der Zeit — und in vielen Berei­chen ist es ja bereits schon Fakt – dass das „Fern­seh­si­gnal“ einfach auch über das digi­tale Signal des Inter­nets gestreamt wird.

Mit diesem Beispiel will ich nur aufzei­gen, dass Medi­en­häu­ser immer noch in der Spra­che ihrer Herkunft behaf­tet sind und dabei ganz verges­sen, dass es voll­kom­men egal ist, ob der Content, den sie produ­zie­ren, über ein Funk­si­gnal auf Papier, oder über ein digi­ta­les Signal per WLAN oder Kabel , verbrei­tet wird.

Die einzige Proble­ma­tik, die sich dabei ergibt ist, dass hinter diesem einen Schirm über den der Konsu­ment empfängt einfach alles empfang­bar ist. Klarer­weise ist die Rele­vanz des Ange­bots für den Konsu­men­ten entschei­dend, ob er es nutzt oder nicht.

Ist die Rele­vanz des Inhal­tes entspre­chend hoch, weil eigen­stän­dig, unver­wech­sel­bar und begehr­lich, so bin ich, und das ist meine tiefste innere Über­zeu­gung, bereit dafür zu bezah­len. Und der Konsu­ment muss bereit sein, dafür zu bezah­len. Die digi­tale Verbrei­tung von Content ist kein Selbst­be­die­nungs­la­den für Konsu­men­ten!

Das Gratis­le­xi­kon Wiki­pe­dia ist für uns alle wirk­lich prak­tisch und nütz­lich. Es hat die großen Lexi­kon­se­rien abge­löst. Momen­tan wirbt Wiki­pe­dia um Spen­den­auf­rufe, die Werbe­fi­nan­zie­rung ist so und so margi­nal. Gäbe es Wiki­pe­dia nur als Paid-Content, ich wäre bereit dafür zu zahlen. Wahr­schein­lich aber nur für die tatsäch­li­che Nutzung, nicht als Abo, nicht als Jahres­bei­trag, nicht um 100 Euro pro Jahr, aber um 20  — 30 Cent pro Abfrage jeder­zeit!

Entschei­dend dafür ist ein einfa­ches Anmel­de­sys­tem, das nicht intimste Daten von mir verlangt, um mich wieder zu vermark­ten und ein einfa­ches, siche­res Bezahl­sys­tem.

Für die Live-Über­tra­gung von Golfe­vents, wie zum Beispiel die PGA Tour, bin ich heute schon bereit mit meinem Sky Abo zu bezah­len. Sollte Sky einmal die Rechte dafür nicht mehr kaufen wollen, dann akzep­tiere ich auch jeder­zeit einen Strea­ming Dienst online, auch im Abo, um fiktive 15 Euro im Monat.

Diese beiden Beispiele sollen zeigen, dass es immer nur um die Rele­vanz geht. Das Problem der Verbrei­tung über digi­tale Kanäle ist schlicht und ergrei­fend die Viel­falt und, dass es wenig Content von wirk­li­cher Rele­vanz, sondern leider immer nur „more of the same“ gibt. Das bloße Verbrei­ten von Nach­rich­ten, ohne eine eigen­stän­dige Recher­che­ar­beit dahin­ter zu legen, ist leider kein wett­be­werbs­fä­hi­ges Ange­bot. Das war es in den bishe­ri­gen Verbrei­tungs­for­men auch nicht, nur ist es durch unser träges Verhal­ten, Dinge zu verän­dern, nie beson­ders aufge­fal­len.

Medi­en­häu­ser müssen sich verän­dern um in einer digi­ta­len Welt zu bestehen, um in einer digi­ta­len Welt rele­vant zu sein. Dann ist der Konsu­ment sehr wohl bereit, dafür auch seinen Beitrag zu leis­ten. Und er wird es lernen diesen leis­ten zu müssen. Auch die Medien müssen lernen sich zu verän­dern, sonst werden sie durch die Digi­ta­li­sie­rung der Welt verän­dert.

Zum Autor: Peter Lammer­hu­ber grün­dete 1987 die Medi­en­a­genur Media­Com und wurde 2006 zum CEO der GroupM Austria beru­fen.